Vorträge und Vorlesungen online publizieren

Vorträge sind attraktive Inhalte: vorgefertigt, erprobt, didaktisch aufbereitet, vom Experten. Die Übertragung in elektronische Medien ist vielfach wünschenswert. Dabei soll der Aufwand minimiert und die Verwertbarkeit maximiert werden.

Video? Es gibt die unterschiedlichsten Ansätze, Vorträge medial abzubilden: vom einfachen Transkript, über Powerpoint-Charts bis hin zur umfassenden Videodokumentation. Trotz der enorm kostenintensiven Aktivitäten im Rahmen der BMBF-Initiative "Virtuelle Hochschulen" haben sich bis dato leider keine Standardverfahren für die elektronische Abbildung klassischer Vermittlungsformen herauskristallisiert.
Die verschiedenen Produktionsverfahren haben derart spezifische Vor- und Nachteile, so daß leider oftmals der gute Vorsatz eines Bildungsanbieters, z.B. einer Universität, nach systematischer Darstellung des Vorlesungsangebotes schliesslich im Stadium der Ideenfindung bzw. Prototyping persistiert.
Da die oftmals angestrebten Video-Vorlesungen zumeist dann doch nicht in Frage kommen (Lichtverhältnisse, mehrere Kamerapositionen, Schnitt, Internet/Hardware-Bandbreite vs. Darstellungsqualität), beschränkt man sich seit jeher auf einen resourcenarmen Audiostrom kombiniert mit Vortragsfolien.
Video ist dennoch im Produktionsprozess sehr nützlich: und zwar in erster Linie zur erleichternden redaktionellen Dokumentation der Mediensequenzierung bei der Postproduktion. Die Video-Qualität spielt dabei natürlich keine Rolle mehr.

Learning-Object-Integration: Vorgestellt werden nun einfache, sehr kosteneffiziente Verfahrensansätze zur Erstellung eines "Vorlesungs-Objektes", das sich für die Integration in eLearning-Umgebungen eignet (sog. sharable content asset); dieses Medien-Asset stellt die Zeitachse des Vortrages dar und synchronisiert die üblichen Charts bzw. Vortragsmedien. Darüberhinaus referenziert es weitere Medien, die damit eine umfassende thematische Abdeckung der erforderlichen Lernleistung zum Erreichen des Lernzieles gewährleisten (und in ihrer Integrität als sharable content object bezeichnet werden).
Dieses Lernobjekt wird dem Nutzer über den Webbrowser in integrierter Ansicht präsentiert:

Screen-1: Chartübersicht im Lecture Browser

Screen-2: Lecture-Browser

Medien strukturieren: Eine Separation und Strukturierung der verschiedenen Medienanteile hat große Vorteile hinsichtlich Flexibität der Präsentation bzw. Verwertung und ist daher unerlässlich. Der Nutzer sollte während des Vortrages bei Bedarf steuernd eingreifen können und dabei z.B. eine Position anhalten und zusätzlich referenzierte Medien für die Verständnisbildung zu Rate ziehen können.
Um diese Flexibilität produktionstechnisch zu gewährleisten, empfiehlt sich - insbesondere im Hochschulbereich - der konsequente Einsatz von bekannten, offenen Datenstandards (W3C, SCORM etc.); damit lassen sich selbst auf niedrigem technischen Niveau wertvolle Angebote schaffen, die auch nach Ablauf von Förderung oder Sponsoring noch genutzt werden können:

Die Medienintegration eines "Vorlesungs-Objektes" geht üblicherweise über ein (Learning-) Content-Management-System vonstatten; die Produktion der Media-Assets gliedert sich in folgende Schritte:

  1. Didaktische Zieldefinition, Bestimmung des redaktionellem Aufbaus des Vortrages
  2. Sammlung der Vortragsmaterialien und möglichst Umwandlung in strukturierte Formate (idealerweise SVG)
  3. Aufzeichung des Vortrages als Audiostrom (z.B. über Minidisc) und als dokumentierenden Video-Rohstrom
  4. Säuberung/Schnitt der Audiodaten, MP3-Kompression, ggf. Transkription des Vortrages und Erstellung des Drehbuches für die Synchronisierung der Vortragsmedien
  5. Erstellung bzw. Referenzierung akzessorischer Inhalte: Textdokumente, Abbildungen, Animationen
  6. Integration in ein SCORM-taugliches Content-Management-Framework