Webpublishing für medizinische Fachgesellschaften

Autor: Dr. F. Hoffmann

Professionell Publizieren durch bedarfsgerechte Standardisierung

Fachgesellschaften verfügen in der Regel nicht über IT-Budgets, die den Aufbau professioneller Publishing-Systeme erlauben, obwohl diese für die Kommunikation sehr hilfreich wären. Der Einsatz von Open Source-Software und Standard-Modellen bietet einen interessanten Lösungsweg.

Die Kommunikation medizinischer Fachgesellschaften mit Ihren Mitgliedern läuft auch heute noch vorzugsweise über klassische Printmedien; das Internet-basierte Publizieren bzw. die Verzahnung mit den vorhandenen Printmedien hat sich bislang lediglich ein Einzelfällen etabliert. Dies liegt daran, dass die Informationskanäle nicht konvergieren, d.h. Information wird nicht zentral erstellt, auf bestimmte Daten-Formate normalisiert und medienspezifisch ausgegeben, sondern immer wieder speziell für das Zielmedium hergestellt.

Eine zentrale Datenhaltung, auf die alle Teilnehmer in ihrer Funktion entsprechend produktiv und webbasiert zugreifen können, wird von sog. Contentmanagement- oder Redaktions-Systemen ermöglicht. Inhalte wie z.B. aktuelle Mitteilungen, Termine, Leitlinien etc. werden im System medienneutral erstellt und je nach Verwendungszweck (Web, Print, CD etc.) mit Hilfe von Präsentationsfiltern für das Zielmedium in technisch entsprechender Form ausgegeben.
Die Etablierung solcher Systeme kann sich allerdings zu unüberschaubar komplexen IT-Projekten ausweiten, zumal die enorme Vielfalt der Systeme allein die Marktevaluation zu einer schwierigen Hürde werden lässt. Die unterschiedlichen Ansätze der Systeme können dabei unterschiedlichste Fallstricke in die Projektabwicklung einbringen, wie z.B. unzureichende Konzeption, komplexe Inhalte, Schnittstellen etc.

Projektstrategie

Um dies zu vermeiden und dabei einerseits die Kosten im Griff zu halten und andererseits ein überschaubares Vorgehen mit raschen Ergebnissen zu ermöglichen, empfehlen sich drei strategische Ansätze:

  1. Open Source
  2. Standardisierung
  3. Kooperation mit Multiplikatoren

Open Source-Software (OS) bedingt eine Reduktion der Einstiegskosten und verringert die in einem sehr dynamischen Markt ungünstige Hersteller- bzw. Dienstleister-Abhängigkeit; darüberhinaus erleichtert OS die flexible Integration der Software in vorhandene Systeme.
Standardisierung (design-pattern-Ansatz) ermöglicht durch etablierte Modelle und vorgefertigter Software-Module die Erzielung rascher Ergebnisse bei geringen Kosten. Neben einer Standardisierung der Content-Modelle ist die Standardisierung von Publishing-Prozessen sehr effektiv; das Vermeiden des notorischen "Neu-Erfindens" von in der Regel bereits andernorts hinreichend erprobten Verfahren trägt wesentlich zur Minderung des Kosten-Overheads bei und erlaubt eine präzise Aufwandsabschätzung. Zudem stellt standardisiertes Vorgehen die Ergebnisqualität sicher.
Kooperation mit Multiplikatoren, im speziellen Fall z.B. mit Verlagen, sichert die Übertragbarkeit von Inhalten in Form von XML-Strömen und ermöglicht die direkte Anbindung von Syndication-Partnern auf XML-Basis (z.B. Publizieren von Pressemitteilungen per XML direkt über die Website). Damit wird die elektronische Übernahme der Fachgesellschafts-Inhalte in das Angebot von definierten Dritten (z.B. Sponsoren aus der Industrie, Kongressveranstalter etc.) möglich; die bekannten Verfahren des Sponsorings aus dem Zeitschriftenbereich lassen sich damit auf elektronische Informationsprodukte übertragen.

Ein vorkonfiguriertes Open Source-Framework, wie beispielsweise ZMS, liefert ein neutrales Basisdesign und die wichtigsten Content-Modelle, die man effizient an die konkreten Anforderungen anpassen kann.

CMS-Checkliste (nur wichtigste Merkmale):

  • Intuitive Texterstellung
  • Leicht veränderbare Rubriken-Strukturen
  • Einfacher Workflow
  • Medienoptimierte Metadaten-Schemata
  • XML-Input/Output, Crossmedia-Ausgabe (PDF/FO, DTP etc.)
  • Multimandanten-Integration, Sub-Websites (Arbeitsgruppen, Kongresse etc.)
  • Mehrsprachigkeit

Basiskonfiguration

Contentobjekte:

  • Personenprofil
  • News, Pressemitteilung
  • Arbeitsgruppen-Beschreibung
  • Projektbeschreibung
  • Lern-Objekte (z.B. Case of the Week)

Rubriken-Struktur:

  • Aktuelles
  • Über die Gesellschaft
  • Arbeitsgruppen
  • Fortbildung
  • Termine/Veranstaltungen
  • Intern (nur für Mitglieder)
  • Patienteninformationen

Integrierte Applikationen

  • Kalender/Termine
  • Mitgliederverwaltung, Beitragsverwaltung, Billing
  • Workflow (Prozesssteuerung) für die Erstellung von Leitlinien
  • Publishingprozess für die Erstellung des Jahresberichtes
  • Prepublishing-Umgebung für Journal-Beiträge
  • eLearning-Modul und Punkte-Kontierung
  • Collaboration: Versammlungsprotokolle, interne Mitteilungen, Casereports, Forum etc.

Schrittweise Entwicklung einer Plattform

Die folgende Skizze eines Entwicklungs-Szenarios muss im Einzelfall sicherlich um gewisse Merkmale ergänzt werden, aber in der Mehrzahl der Fälle wird eine sehr rasche Arbeitsfähigkeit ermöglicht. Ausgehend von einer Master-Konfiguration, welche die üblichen Content-Modelle abdeckt, werden die speziellen Anforderungen hinsichtlich Konfiguration und Gestaltung bzw. Design umgesetzt; dies geschieht im Hinblick auf bestehende und kurzfristig erforderliche Inhalte.
Schritt-I: Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Aufbau oder die Erneuerung eines elektronischen Informationsdienstes mit den bereits bestehenden Inhalten anzufangen und diese in eine potenziell XML-taugliche Form zu bringen.

In der Regel reichen einfache Strukturmodelle dafür aus; diese Basisinhalte werden angereichert um spezielle Struktur-Definitionen wie z.B. Personalprofile, Pressemitteilung, Termine etc.
Schritt-II: In einer zweiten Projektphase sind Applikationen wie Mitgliederverwaltung, Review-Prozesssteuerung, Abstract-Einreichung etc. zu ergänzen
Schritt-III: Die dritte Eskalationsstufe des Publishing-Frameworks besteht schließlich in der Integration von eLearning-Funktionalität, CME-Punktekontierung, tutoriell-gestütztem Learning-Management und dem Aufbau komplexerer Publishing-Prozesse für die Erstellung von Fachgesellschaftszeitschriften.

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